Reiseberichte

Veröffentlicht am Do. 17.09.2015, 12.12 Uhr
 

Anfang der Sommerferien, vom 17. bis 24. Juli, sind rund 220 Jugendliche im Rahmen des von der Evangelischen Jugend der EKBO organisierten Landesjugend-Pilgercamps auf drei verschiedenen Strecken durch das Havelland gepilgert: Es wurde gepaddelt, geradelt und zu Fuß gelaufen. Jede Tour führte in sechs Etappen zum Ziel, zur gemeinsamen Abschlussfeier in Havelberg. Auch die Jugendlichen der Trinitatis-Kirchengemeinde und des Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf waren dabei, sie haben sich für das klassische Pilgern zu Fuß entschieden.

Die Reise war für uns etwas ganz Besonderes. Warum das so war, versuchen wir in diesem Artikel auf drei verschiedene Arten zu erklären. Als Erstes schildern wir einen typischen Tagesablauf. Dann listen wir stichpunktartig die Dinge auf, die die Reise für uns so besonders gemacht haben. Schließlich wagen wir uns dann an die Frage heran, was Pilgern für uns eigentlich ist und was es mit uns gemacht hat.

1) Ein typischer Tag auf dem Landesjugend-Pilgercamp

Jeder Tag lief nach dem gleichen Muster ab: Gegen 7.30 Uhr standen wir auf, frühstückten, packten unsere Sachen, Zelte, Schlafsäcke und Isomatten zusammen (die letzten drei Dinge wurden für uns transportiert, den Rest mussten wir selbst tragen) und machten uns nach einer Andacht mit Sonnenmilch eingecremt, mit aufgefüllten Wasserflaschen und genug Proviant auf den Weg. Mit Hilfe einer Karte und ausformulierten Wegbeschreibungen liefen wir jeden Tag 15 bis 20 km. Man konnte die Strecke des Tages alleine laufen, das war aber keine Pflicht und so formten sich die Strecke über kleinere Gruppen, die sich wiederum veränderten, weil sich einzelne Leute zurückfallen ließen oder vorliefen und neue  Weggefährten fanden. So puzzelten sich die Gruppen immer wieder neu zusammen und jeder konnte sein eigenes Tempo finden. Da die Wegbeschreibungen manchmal sehr vielfältig interpretiert werden konnten, konnte es schon mal vorkommen, dass wir uns verliefen und Umwege gehen mussten. Die Umwege waren für uns aber keine zusätzliche Belastung, da es eigentlich nur weitere schöne Wege waren ;). Jeden Tag gab es zwei feste Pausenorte, hier warteten ein paar Hauptamtliche mit kleinen Erfrischungen, Wasser, Süßigkeiten und Obst auf uns. Manchmal erwartete uns dort auch das Ergebnis eines Projekts unseres Kirchenkreises: Ein Bauwagen mit eigener Küche und einer Crew aus hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfern, die uns für den weiteren Weg motivierten. Auch an manchen Übernachtungsorten wurden wir vom Bauwagen-Team mitbetreut. Am Nachmittag kamen wir dann in dem Ort an, in dem wir die folgende Nacht verbringen sollten. Übernachtet haben wir u.a. in Milow, Ferchesar, Stölln und Strodehne. Nach dem Ankommen haben wir als Erstes immer unsere Zelte aufgebaut und zu Abend gegessen. Die weitere Abendgestaltung konnte dann jeder frei für sich gestalten. Es gab viele tolle Angebote: Man konnte meistens Baden gehen, Fußball spielen, manchmal Live-Musik erleben und/ oder gemeinsam singen, bei einer Abendandacht dabei sein, am Lagerfeuer sitzen, sich unterhalten und einfach ausruhen.

2) Diese Dinge haben das Pilgercamp für uns so besonders gemacht:

  • das schöne Gefühl, das sich bei jedem Ankommen in einem neuen Ort einstellte
  • dass wir jeden Tag einen neuen Ort kennenlernen durften
  • das tolle Gefühl, einfach mal Zeit zu haben
  • dass es Zeiten fürs Albern sein aber auch fürs Ernst sein gab
  • dass wir Abschnitte des Weges gemeinsam schweigend in der Gruppe laufen konnten, es aber auch genauso Zeiten gab, in denen wir zusammen singen und quatschen konnten
  • die Gespräche mit alten und neuen Bekannten über Gott und die Welt;
  • das Schließen neuer Freundschaften
  • die Lagerfeuer am Abend
  • die Bundesgartenschau und generell das Erleben von „Natur pur“
  • die Gastfreundschaft fremder Leute, die ihre Türen für hungrige und erschöpfte Pilgernde geöffnet haben
  • das Singen, abends oder auch auf dem Weg im Regen
  • die Nacht unter freiem Himmel (Wir haben jeder mindestens eine Sternschnuppe gesehen!)
  • die Andachten
  • der Bauwagen, vor dem abends eine Bühne aufgebaut wurde, vor der wir dann Live-Musik lauschen konnten
  • unser Rucksacktausch (für einen Abschnitt des Weges haben wir unsere Rucksäcke untereinander getauscht, um einmal „in den Schuhen des Anderen zu laufen“ bzw. einmal zu spüren, wie sich „die Last“ des Anderen anfühlt)

                                                                                   

3) Im Rückblick auf unsere Reise haben wir uns gefragt: Was ist Pilgern für uns?

Am Anfang der Reise sind wir einfach nur „gewandert“. Im Laufe der Zeit hat sich das „Wandern“ zum „Pilgern“ gewandelt, den Übergang können wir aber nicht unbedingt an einem bestimmten Zeitpunkt festmachen. Das Pilgern ist für uns sowohl eine „äußere Reise“, die unser Körper unternimmt, aber auch eine „innere Reise“ der Gedanken und Gefühle. Pilgern ist Wandern, nur bewusster: Man nimmt die Strecke und die Menschen, mit denen man den Weg zurücklegt und die einem begegnen, bewusst(er) wahr. Man reflektiert sich selbst und die Dinge im eigenen Leben, deren Nutzen und Wichtigkeit. Man wird sich der essentiellen und wirklich wichtigen Dinge im Leben bewusst; des alltäglichen Luxus wie einer warmen Dusche oder einem weichen Bett. Pilgern passiert nicht nur während des Laufens, sondern auch abends beim gemeinsamen Singen und Essen. Das Pilgern hatte auf uns alle eine entschleunigende Wirkung, die Uhrzeit war nicht mehr so wichtig, nur der nächste Schritt und dass wir gemeinsam unterwegs waren. 

Als wir wieder zu Hause waren, waren wir zum Einen wirklich froh, dass wir in unsere weichen Betten fallen konnten, denn das tägliche Pilgern war auch ziemlich anstrengend, aber andererseits ist es auch echt traurig, dass diese einmalige und prägende Erfahrung vorbei ist. Wir denken noch häufig an das Pilgercamp und hoffen, dass es für uns, aber auch für Andere nochmal die Gelegenheit gibt, diese tollen Erfahrungen zu machen.

Jonathan Hilker, Lucas Koch, Laura Sievers

(Foto © Trinitatis-Kirchengem./ L. Sievers)